Einleitung

Jürgen Adams hat mich gebeten, in 10 bis maximal 15 Minuten auf 40 Jahre TTC Gießen-Rödgen zurückzublicken. Das bedeutet, dass ich nur Amüsantes und aus meiner Sicht Wesentliches berichten werde, denn wenn die vielfältigen Aktivitäten des TTC tatsächlich im Detail in 10 Minuten abgehandelt werden könnten, müsste der Verein noch heute wegen Untätigkeit aufgelöst werden. Eine umfängliche Darstellung wird aber im Laufe des nächsten Jahres in Wort und Bild herausgegeben. Sollten Sie feststellen, dass ganze Passagen inhaltlich oder sogar wörtlich mit den Berichten in den beiden Gießener Tageszeitungen übereinstimmen, seien Sie unbesorgt, es sind keine Plagiate und ich bin auch kein kleiner zu Guttenberg: Die Texte in den Gießener Zeitungen –wenn auch mit Namenskürzel von Redaktionsmitgliedern- sind mit meinem Einverständnis übernommen worden und stammen von mir.

Gründung

Beginnen wir mit der Gründung. Der TSV Rödgen hatte einst Tischtennis in seinem Angebot, stellte aber 1971 den Tischtennisbetrieb ein. Das animierte TT-Freunde und erfahrene Vereinsgründer am 20. Dezember 1971, in der Gaststätte Deutsches Haus den TTC Gießen-Rödgen aus der Taufe zu heben. Gründungsmitglieder waren in alphabetischer Reihenfolge Jürgen Adams, Günter Freigang, Egon Fritz, Dieter Geißler, Werner Graf, Thea Grafe, Siegbert Heine, Waldemar Mandler, Lothar Naujoks, Gernot Raab, Reinhard Rau, Dr. Jürgen Renfer, Claus Schlapp, Uwe Schöppe, Dr. Thomä und Dr. Wilhelm Türck. Ein Vorstand wurde gewählt. 1. Vors. wurde Lothar Naujoks, 2. Vors. Siegbert Heine, Kassenwart Dr. Wilhem Türck, Schriftführer Waldemar Mandler, Jugendleiter Ralf Naujoks und Beisitzer Dr. Jürgen Renfer. Das Startkapital, von den Versammlungsteilnehmern am gleichen Abend gespendet, betrug 252,-- DM. Als Spiellokal wurde das Bürgerhaus auserkoren, wo man am 18. Mai 1972 den Spielbetrieb aufnahm. Im gleichen Jahr starteten je zwei Herren- und Damenmannschaften in die Verbandsrunde. Die Mitgliederzahl war innerhalb weniger Monate auf 82 angestiegen. Nun zum Bürgerhaus, das die 1980 gemeldeten 11 Mannschaften nicht mehr aufnehmen konnte, so dass eine weitere Halle in Gießen zugeteilt werden musste.

Spielort Rödgener Bürgerhaus

Nicht nur eng war es im Rödgener Bürgerhaus geworden. Auch rutschig und glatt, denn jeden Freitagabend wurde hier getanzt. Die Tänzer wollten ihr Tanzbein auf einem möglichst glatten Boden schwingen, die TT-Spieler dagegen benötigten einen stumpfen, rutschfesten Boden. Montags wurde von den TT-Spielern ein abstumpfendes Mittel gespritzt und am Freitag verteilten die Tänzer ein flockenartiges Poliermittel, um den Bürgerhaus-Boden wieder zu glätten. Die Reinigungskräfte waren von dieser Art Bodenbehandlung echt begeistert.
Mit der Beleuchtung gab es auch Probleme. Damit es nicht zu duster wurde, mussten die Glühlampen an der Decke ausgetauscht werden – eine Aufgabe für schwindelfreie Spezialisten. Besserung brachte die nachträgliche Installation von Halogenstrahlern. Organisatorisch fast eine Meisterleistung war das Duschen. Für Männer und Frauen gab es je nur eine Umkleide mit je einer Dusche. Bei zwei Spielen der Herren wollten oft 24 Männer gleichzeitig duschen. Das ging nur so, dass sich der Reihe nach angefeuchtet, danach außerhalb der Dusche eingeseift und dann der Reihe nach wieder abgeduscht wurde. Anlässlich des 10-jährigen Bestehens wurde das Zweierturnier erstmals durchgeführt. Mit dem bei den mittelhessischen TT-Sportlern sehr beliebten Räärer Nachtturnier betrat der Verein hessenweit Neuland. Inzwischen wurde es 29 mal mit jeweils durchschnittlich über 100 Mannschaften zu einem Highlight unter den Tischtennis-Veranstaltungen. Nicht selten gingen erst um drei Uhr nachts oder besser gesagt am Morgen des nächsten Tages die Lichter aus. Im nächsten Jahr wird die 30. Auflage dieses beliebten Turniers zwischen den Jahren folgen.

Wechsel an der Spitze

1975 löste Jürgen Adams den seit der Gründung vier Jahre lang amtierenden Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden Lothar Naujoks, der noch 13 weitere Jahre im Vorstand mitarbeitete, an der Spitze des TTC ab. Jürgen Adams gehört mit jetzt 37 Amtsjahren zu den wohl Dienstältesten Vorsitzenden weit und breit. Sein ehrenamtlicher Einsatz für den TTC Rödgen und als Kreiswart für einen der größten hessischen TT-Kreise Gießen ist vorbildlich. Ihm wurden zu recht hohe Ehrungen auf Verbandsebene und darüber hinaus zuteil. An dieser Stelle steht in meinem Manuskript das Wort B e i f a l l.

Umzug in die Turnhalle

1987 erfüllte sich mit dem Umzug in die neue 16x 32m-Turnhalle ein heiß ersehnter Wunsch. Jetzt konnte man 12 TT-Platten aufstellen, was bedeutete, dass im Einzel mindestens 24 Sportler gleichzeitig spielen konnten. Die ideale Halle bot dem TTC Rödgen erstmals die große Chance, kreis-, bezirks- und landesweite Turniere auszuschreiben, die viele TT-Sportler nach Rödgen lockten. So machte sich der TTC im Laufe der Jahre auch als Veranstalter einen sehr guten Namen.

Erfolge in den 90ern

Mit der neuen Halle boomte auch der Spielbetrieb. 8 Mannschaften kämpften jetzt in den verschiedenen Klassen um Punkte. Auf die umfänglichen sportlichen Erfolge der Mannschaften und einzelner Spielerinnen und Spieler näher einzugehen, soll an dieser Stelle aus zeitlichen Gründen verzichtet werden. Mit einer Ausnahme: Vier junge Damen des TTC, Melanie Knechtel, Sybille Heim, Susan Koster und Jasmin Müller sowie Trainer Dr. Norbert Englisch, der heutige Präsident des hessischen Tischtennisverbandes, sorgten mit dem Aufstieg in die Regionalliga, der dritthöchsten Spielklasse in Deutschland, in den 90er Jahren für sportliche Furore. Innerhalb von vier Jahren führte der Aufwärtstrend von der zweiten Verbandsliga, über die erste Verbandsliga und die Hessenliga in die Regionalliga. Aufstiegsfeiern gehörten jedes Jahr zum festen Programm beim TTC.
Schon als Schülerinnen sahnten Sybille Heim, Melanie Knechtel, Susanne Rinne und Bedriska Kleiber mächtig ab. Südwestdeutscher Mannschaftstitel und südwestdeutscher Pokal gingen nach Rödgen. Im Einzel und Doppel stand Sybille Heim bei den hessischen Meisterschaften gleich dreimal auf dem Siegerpodest. Im Alter von 13 Jahren wurde sie in den Nationalkader berufen. Diese Erfolge schienen auch die Leistungen der 2. Damenmannschaft mit Ursula Hahn, Hildegard Sieg, Susanne Maier und Gabi Kreutz zu beflügeln. Die vier Damen der ersten Stunde hatten den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft. Die Erfolge der 3. Damenmannschaft komplettierten die mittelhessische Dominanz der Rödgener Damenabteilung. Im Jahr 2000 endeten mit der Auflösung der 1. Mannschaft überaus erfolgreiche Jahre der Rödgener Damenabteilung: Die Spitzenspielerin wollte sich im größten Tischtennis-Verein im Kreis Gießen, dem NSC Watzenborn-Steinberg, sportlich weiterentwickeln. Das Oberligateam musste aufgelöst werden, weil die zweite Stütze der bis dahin glorreichen ersten Damen-Mannschaft aus beruflichen Gründen nicht mehr ständig zur Verfügung stand und talentierter Nachwuchs noch nicht die Oberligareife besaß.

Was ist beim TTC sonst noch passiert

Nun noch ein paar sportliche, gesellschaftliche und vereinspolitische Duftmarken im Telegrammstil:
Im TTC wurden Grillfeste und Jubiläen gefeiert, das Tanzbein geschwungen, eine bis heute erfolgreiche Abteilung Kinderturnen ins Leben gerufen, eine Frauengymnastikgruppe initiiert, für ein Jahr in der Bezirksklasse der Herren gespielt, zwischenzeitlich eine Mitgliederzahl von 246, davon 129 Jugendlichen, erreicht, Ursula Hahn nach 29 Jahren engagierter Vorstandsarbeit geehrt, regelmäßig Vereinsmeisterschaften und sogenannte
Jedermannturniere durchgeführt, mit der Betriebssportgemeinschaft Berlin-Neukölln freundschaftliche Kontakte gepflegt sowie insgesamt dazu beigetragen, dass der TTC Gießen-Rödgen zu einer festen Größe im Rödgener Vereinsgeschehen wurde. Begünstigt von einem allgemeinen Aufwärtstrend des Tischtennissports in Deutschland, das europaweit und mit Timo Boll auch weltweit Spitzensport bietet. Mit dem im Volksmund jahrelang etwas verächtlich gemachten Ping-Pong-Spiel hat das schon lange nichts mehr zu tun. Tischtennis ist eine sehr facettenreiche Sportart, in der Geschwindigkeit, Präzision, Ausdauer, Konzentration, Denkvermögen und Kondition gefragt sind. Leidenschaft, Ehrgeiz, Verständnis, Ballgefühl, viel Lust und Motivation sowie Fairness machen einen guten Tischtennisspieler bzw. Spielerin aus. Zurück zum TTC: Solange im Jubiläumsverein die Seltenheit Realität werden kann, dass drei Generationen ihrem geliebten TT-Sport nachgehen, gemeint sind Vater Reinhard, Sohn Steffen und Enkel Niko Rau und die aktiven Spieler Rainer Wagner, Alexander Hannak, Simon Wrobel, Pierre Fuchs, Andrè Schöppe, Lars Hölkeskamp, Hermann Titz, Ralf Pausch, Dr, Matthias Kaufmann, Markus Bonin und Jürgen Adams bei der Stange bleiben , muss es dem TTC Gießen-Rödgen um seine Zukunft nicht bange sein. Eine gesunde Mitgliederstruktur, zwei aktive Herrenmannschaften in Verbandswettbewerben, regelmäßige Übungsstunden, und das beliebte Kinderturnen mit Annette Schmalz sind neben einem hoch motivierten Vorstand Aktivposten des TTC Gießen-Rödgen im Jubiläumsjahr. Zum 40. Bestehen: Herzlichen Glückwunsch dem Geburtstagskind!